R&B wirkt verdammt oft abgelutscht. Immer die gleichen Anmachsprüche, immer das gleiche Gesäusel. Dazu synthetische Beats aus der Retorte. Allerweltsmusik, die niemanden an-, geschweige denn heiss macht. Austauschbare, unpersönliche Musik, die sich an Allgemeinplätzen festklammert – und das in einem Genre, das eigentlich direkt die Libido stimulieren sollte. Ein Jammer. Ein Trauerspiel.

Wäre da nicht ein gewisser Jacobee. Seit 2007 verpasst der ewigjunge Künstler aus dem Herzen der Limmatstadt dem Schweizerdeutschen R&B immer wieder eine Frischzellenkur, wie sie keine noch so teure Privatklinik im Angebot hat. Die Dynamik zwischen Männlein und Weiblein wirkt bei ihm nie abgestanden, nie ausgereizt. Egal ob Märchenwelt, ob Strip Poker, ob Spritztour im Cabrio oder Ausflüge ins Tierreich: Der Züri Schigolo unterhält sein Publikum, indem er immer neue Facetten des Hasch-mich-Spiels abbildet. Auch musikalisch hat er von Slow Jams, Disconummern, erdigem Bluesrock, Hip-Hop-Soul, Fingerschnipp-Soul oder klassische Bettgymnastik-Soundtracks alles im Repertoire.

Nach den seit 2007 in Dreijahresschritten veröffentlichten Alben «Rütmus und Bluus», «Charisma» und «Züri Schigolo», nach Hits wie «Diä Schönschti Bonita», «Eh klar», «Eine macht e Party» oder «Bumsmusig» leitet der Gitarrist, Bassist, Komponist und Sänger auf seinem demnächst erscheinenden Viertling alles aus der Ursuppe der Musik her.

«St. Jakob» ist ein ausgefeiltes, ausproduziertes, mit vielen Gastmusikern und der vielleicht besten Jacobee Band aller Zeiten eingespieltes, spitzbübisches Meisterwerk. Das Songwriting ist diesmal genauso von Klassikern der Rock- und Popmusik wie vom R&B beeinflusst. Entstanden sind neun neckische neue Songs, die so abgerundet daherkommen wie nie zuvor.

Songs, die von bissigen Dates, von Frauen, die süsser als jegliche Konditorwaren sind, von Flirts mit Touristinnen, von entspannten Wochenendaktivitäten und treuen Kumpels handeln.

Ein rundes Album, ein Genuss. Nur einmal stockt den weiblichen Fans der Atem: Wenn sich der begehrte Daddy Cool in «Drü Wörter» zu einem «Ja, ich will» hinreissen und in einem gefühlvollen Moment fast vor den Altar zerren lässt. Doch keine Angst: Der junge Mann ist immer noch solo. Und mit seinem neuen Material bald wieder live unterwegs. (Text: Adrian Schräder)